Das unterirdische Fach

13-09-2016 / Besichtigung

Der Helm, die Grubenlampe, die Atemschutzmaske und Schutzkleidung – das ist die Ausstattung des Schleppers – eines Abenteurers, der sich traut, die Bergmannsroute der Salzmine „Wieliczka” zu erkunden. Das Abenteuer beginnt im Regis-Schacht. 

Ein moderner Aufzug bringt die Touristen hinunter in das Erdinnere. Die Fahrt in der hell beleuchteten Kabine dauert nur einen Augenblick. Die silberfarbene Tür öffnet sich und dann ist es nur noch ein Schritt, um eine andere, faszinierende Welt zu betreten. 

Kopalnia Soli "Wieliczka"

Aufgaben für die Mutigen

Die „Grünschnäbel” der Bergmannswelt schauen sich unsicher im Füllort um. Sie setzen ihre Helme zurecht, prüfen die Lampen und blicken in Richtung des Fremdenführers.  Sein Gesicht lässt erkennen, dass es sich um keinen gewöhnlichen Ausflug handeln wird. Nichts nach dem Muster: „links sehen Sie ein Gemälde”, „rechts eine Skulptur”. Auf der Bergmannsroute geht es nämlich nicht nur darum, etwas Neues zu erfahren, sondern auch, es selbst zu erleben – die Theorie in die Praxis umzusetzen, mit eigenen Händen ein Seil flechten oder das Entwässerungsrad in Bewegung zu setzen. Der Oberhauer hat für jeden eine Funktion vorbereitet, die er den einzelnen Teilnehmern der Tour zuweist. Wettersteiger, Vermesser, Träger, Zimmermann – im Bergwerk benötigt man Menschen mit unterschiedlichen Berufen und Talenten. Alle kennen ihre Aufgaben? Sind alle bereit? Also es geht los!

Ein Ausflug durch Zeit und Raum

Eine Kammer nach der anderen, Gang für Gang und vor den Augen der Schlepper eröffnet sich eine außergewöhnliche unterirdische Welt. Ein Lichtstrahl der Grubenlampe entlockt der Finsternis die Details  – Spuren von einem Abdruck eines Kleidungsstücks, schwarze Flecken, die vor fast 400 Jahren auf dem Kasten ein Brand hinterlassen hat.

In jedem Raum, der im Salz gehauen wurde, in jedem Stück Holz verbirgt sich Geschichte, die in Jahrhunderten gezählt wird. Dicke Baumstämme, mit denen die Kammer Boczaniec befestigt ist, wurden noch im 15. Jh. in dem Urwald gefällt, der von Jan Długosz beschrieben wurde. In der Kammer Fortymbark wurde im 17. Jh. ein Stall für die Pferde errichtet, die unter Tage beschäftigt waren, in Rzepki stand früher ein mächtiges Göpelwerk, während der historische Salzobelisk in der Franciszek-Karol-Kammer schon im 19. Jh. die Besucher begeisterte.

Wer bereit ist, sich zu bücken, kann durch einen schmalen Durchgang im Kasten in der Kammer Boczaniec eine kleine Nische betreten, in der sich vor Jahrhunderten eine Kapelle befand. Die Bergleute haben sie der hl. Kunigunde – der hl. Kinga geweiht. Der Zahn der Zeit hat auf den Skulpturen seine Spuren hinterlassen – ihre weichen, gelaugten Formen lassen nur erahnen, dass es sich um die Figuren der Schutzheiligen handelt. Ein kleines Bruchstück des ehemaligen Altars erinnert daran, dass einst von diesem Ort hoffnungsvolle Gebete gegen den Himmel gerichtet wurden.

Kopalnia Soli "Wieliczka"

Vom Schlepper zum Bergmann

Die Gruppe der Schlepper verwandelt sich unter dem wachsamen Auge des Oberhauers Schritt für Schritt in die Bergmannsbrüder. Der Fremdenführer zeigt den Weg, doch dann kommt der Zeitpunkt, in dem er seinen Schützlingen eine Karte aushändigt, damit sie versuchen, mit deren Hilfe selbst den Weg zu finden. Eine Rampe, ein Quergang, eine Kreuzung, wie geht es weiter? Bei Problemen hilft der Oberhauer mit einem Tipp und lächelt, denn auch der Wille und ein heller Kopf sind wichtig und erst die Übung macht den Meister.

Die fast dreistündige Besichtigung der Bergmannsroute vergeht ungewöhnlich schnell. Man vermisst zwar die Sonne, dennoch hat man nicht so richtig Lust, auf die Erde zurück zu kommen. Die frisch gebackenen Adepten des Bergmannsfachs spüren durch die Haut, dass sie nur einen Bruchteil der unterirdischen Geheimnisse erfahren haben. Die historische Salzmine „Wieliczka” verbirgt viel mehr Rätsel und Geschichten, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Vielleicht das nächste Mal? Zum Beispiel mit Freunden und Familie? Die Route kann auch von Kindern besichtigt werden, die das 10. Lebensjahr abgeschlossen haben. Es wird Spaß machen, wieder den Helm anzuziehen, die Lampe und die Atemschutzmaske über den Arm zu hängen und dem Oberhauer ins Erdinnere zu folgen. 

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