Bergmännische Traditionen

„Grüß Gott / Glück auf”, so ist der Gruß der Bergleute unter Tage. Denn das einfache „Guten Morgen/Guten Tag” ist gut für die, die unter dem schönen sonnigen Himmel arbeiten. Bergmann ist nicht nur ein Beruf, aber auch Leidenschaft und Tradition, die vom Vater auf den Sohn, vom Großvater und vom Urgroßvater übertragen wurde.

Unter Tage läuft die Zeit anders, sie rast im Rhythmus der Feierlichkeiten im Gedenken der Grubenschutzpatronen und Heiligen, sie beschleunigt und verlangsamt sich für alljährliche Feste und Spiele. Es lohnt sich, einige von diesen kennen zu lernen.


Der Bergmann ist ein famoser Kumpel, er ist zu allem bereit.

Kopalnia Soli "Wieliczka"Der Bergamnn führt ein buntes Leben und teilt seine Zeit in die unter und über Tage verbrachte. Er kleidet sich in Farben, die ihn an beide Welten erinnern soll. Das Grün ist Symbol der Wälder und Felder, die Sehnsucht nach der Natur. Das Schwarz ist die Dunkelheit, in die er kommt, um schwer zu arbeiten, aber auch die Erde, aus der die Salzkristalle gewonnen werden.

Der Bergamnn ist auf die Uniform stolz, die er trägt. Seine Dienstuniform ist grau und die Ehrenuniform dagegen schwarz. Die Galauniform schmücken Rangabzeichen und Auszeichnungen, die alte Zeiten in Erinnerung bringen. Ein prächtiger Federbusch symbolisiert einen Federwisch, der ehemals zum Reinigen der Sprenglöcher diente, den der Bergmann der Bequemlichkeit wegen hinter einem Band an seinem Hut trug.Die Lunten und den Flintstein trug man in den Falten an der Brust und den Ärmeln. Der Schutzmantel, der früher zum Schutz vor dem Wasser, das vom First herabtropfte, diente, wurde jetzt zu einem schönen kurzen Schulterkragen.

Der Bergmann besaß eine Barte, einen Häckel oder einen Säbel. Die Barte war ein Beil und diente zur Abeit und in Zeiten der Unruhen auch zum Kampf. Den Säbel  war für das Aufsichtspersonal – den Salzgrafen und den Salinen-Bergmeister bestimmt. Der Häckel war für die Studenten der Bargbauakademie. Heute dienen sie als Paradegegenstände,, sie werden für Verdienste und Arbeit verliehen. Beim Besuch der Salzmine „Wieliczka” lohnt es sich, die Rangabzeichen an den Uniformen der auf dem Pfad angetroffenen Bergleute sich näher anzusehen. Die "Ärmelpatten" und Uniformkappen /Tschakos, die Anzahl der "Schlägel und Eisen”, sowie Streifen daran, zeugen von den einzelnen Dienstgraden und ausgeübten Funktionen. Einen schmalen Streifen an der Patte besitzt ein Bergbauaspirant; der Direktor dagegen einen gezackten und zwei schmale Streifen.

 

Ist der Bergmann unter Tage, gibt es Brot über Tage.

Kopalnia Soli "Wieliczka"Um ein Bergmann zu werden, reichte es nicht einfach, unter Tage zu fahren. Es musste ein Aufnahmeritus durchlaufen werden, um sich vom Fuchs zum richtigen Bergmann zu mausern. Die jungen Adepten wurden im Gasthaus beim Bierauszug geprüft. Wenn ihre Antworten die alte Bergmannsbruderschaft zufrieden stellte, erhielten sie die Ehre, über das Arschleder zu springen. Das entschied die Sache.

Und woher das Leder?

Es war ein sehr wichtiger Bestandteil der Bergmannsausrüstung. Es war ein  Arbeitschutz-mittel und diente auch als Knieschutz, wenn die Arbeit es verlangte. Es diente auch zum Sitzen und wurde dadurch „Arschleder” genannt. Auch der Lohn für die schwere Arbeit unter Tage wurde auf dem Leder ausgezahlt. Wenn der Adept zum richtigen Bergmann wurde, hängte sein weiteres Schicksal lediglich davon ab, wie fleißig und gut er während seiner Schicht arbeitete. Die Schicht begann mit der Aufteilung,  also der Aufgabenzuteilung in der Zeche. Nach der Fahrt nach unten setzten sich die Bergleute am Füllort zum Geplauder. Mit Scherzen und Gesprächen füllten sie ihre Akkus für den schweren Arbeitstag auf.







 

Die Heilige Barbara vergisst die Bergleute nicht.

Kopalnia Soli "Wieliczka"Nach der Fahrt nach unten begannen die Bergleute ihre schwere Arbeit nicht ohne eine Weile der Andacht und des Gebetes. In einer von den zahlreichen unterirdischen Kapellen erwiesen sie Ehre den Schutzheiligen und vertrauten sich deren Obhut an. Davon sind zwei Frauen die wichtigsten.

Die Heilige Barbara war die tiefreligiöse Person. Sie war ihren Verfolgern entkommen und fand Schutz in einer der Höhlen. Daher wurde sie zur Schutzpatronin der unter Tage arbeitenden Menschen. Ihr Bild ziert die Bergbaukammern und Zechen, sowie auch Häuser religiöser Bergleute.

Die Heilige Kinga war eine ungarische Herzogin, die die Gemahlin des Großfürsten Boleslaw Wstydliwy (Boleslaw des Schamhaften) werden sollte. Der Wieliczkaer Legende nach hat sie in der üblichen Mitgift einen Schatz ins polnische Land mitgebracht – eine  Salzlagerstätte. Als die noch in der Heimat war, warf sie in den Schacht einer der größten Gruben ihren Verlobungsring hinein, der später im ersten in Wieliczka geförderten Salzblock gefunden wurde. Die Legende klingt schön, es ist auch wert, sie mit einer Prise Fakten zu würzen, dass gerade zur Zeit der Herrschaft von Kinga sich die Salzbergwerke auf den polnischen Gebieten entwickelten. Beide Schutzpatroninnen haben ihre Festtage, und das an ihren Namenstagen.

Am 24. Juli ziehen alle Bergleute in Wieliczka Galauniformen an und gehen zum feierlichen Gottesdienst. Es ist der Tag der Heiligen Kinga, der in der unterirdischen Kapelle, die ihren Namen trägt, beginnt und ist danach reichhaltig an kulturellen Ereignissen während des Tages. In dieser schönen Kammer findet genau fünf Monate später eine bergmännische Christmette statt. Ein bisschen untypisch, weil sie am Karsamstag morgens stattfindet. „Barbórka”, also der Barbara-Tag eröffnet die feierliche Heilige Messe in der Hl.-Kinga-Kapelle. Danach wird bei einer Festveranstaltung gefeiert, an die Bergleute werden Ehrungen, Auszeichnugen, Bergmanns-dienstgrade verliehen.

 

Wer unter Tage arbeitet, bewahrt einen kühlen Kopf.

Kopalnia Soli "Wieliczka"Zur Aufrechterhaltung der Heiterkeit, dabei den Körper nicht vernachlässigend, versammeln sich die Bergleute zum Bierauszug. Dies sind traditionelle Zusammenkünfte, an denen alle, die unter Tage arbeitenden, ganz schön feiern. Der Bierauszug verläuft entsprechend festegelegten Szenarien, die Bergleute rivalisieren in verschidenen lustigen Wettbewerbe, messen sich untereinander, mit scharfen Witzenund rhetorischen Künsten. Die Mutigeren können sogar ihre Vorgesetzten auslachen und … sie kommen unbestraft davon.

So sind hier die Regeln!

Interessant ist es auch, dass die Bergleute jedes Mal ihr Bier aus den Bierkrügen trinken, die speziell für jede Zusammenkunft anders entworfen werden. Obwohl der Bierauszug eine männliche Zusammenkunft ist, haben auch die im Bergbau tätigen Fauen ihre Weibercomber. Auch hier herrscht Fröhlichkeit und Spiel. Aber was wirklich dabei geschieht, ist für jeden Mann bis heute  ein süßes Geheimnis.







 
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